AFP: Mysteriöser Cyberangriff auf Bundestag dauert an

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E-Mails, Passwörter und sensible Dokumente sollten nicht in fremde Hände gelangen – doch genau das müssen die Bundestagsabgeordneten aufgrund einer anhaltenden Hackerattacke befürchten. Die Parlamentarier beklagen eine große Verunsicherung, der IT-Sicherheitsexperte Arne Schönbohm warf der Bundestagsverwaltung am Freitag ein “Informationsdesaster” vor. Die eingesetzten Experten konnten das Ausmaß des Angriffs bisher nicht klären.

Hackerattacken auf öffentliche Einrichtungen sind keine Seltenheit, die ungezielten Angriffe auf das Regierungsnetz gehen monatlich in die Tausende. In einem Bericht des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ist zudem von 15 bis 20 gezielten Angriffen die Rede – pro Tag. Einer davon habe im Durchschnitt einen nachrichtendienstlichen Hintergrund. Was die Bundestagsabgeordneten derzeit nervös macht, sind Dauer und Komplexität des aktuellen Angriffs.

Bereits seit Anfang Mai sind die IT-Netze des Parlaments Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) zufolge dem anhaltenden “massiven” Hackerangriff ausgesetzt. Der habe offenbar “geheimdienstliche Qualität”, sagte der Digital-Experte der Grünen, Konstantin von Notz, dem Sender n-tv. Die zur Hilfe gerufenen Experten des BSI zogen inzwischen eine “spezialisierte Firma” hinzu, um der Attacke Herr zu werden, wie eine Bundestagssprecherin der Nachrichtenagentur AFP bestätigte.

Die Bundestagssprecherin dementierte Gerüchte, dass die Sommerpause des Bundestags vorgezogen werden muss, um das Netzwerk zu reparieren. Und Lammert hielt in seinem Schreiben an die Abgeordneten fest: “Entgegen Mutmaßungen in der Öffentlichkeit sind Datenabflüsse aus dem Netz des Deutschen Bundestages bisher nicht nachweisbar.” Er räumte aber ein, dass das Ausmaß des Angriffs bisher “nicht vollständig ermittelt werden konnte”. Die IT-Systeme des Bundestages stehen demnach “grundsätzlich” für die Parlamentsarbeit zur Verfügung, mögliche weitere Gegenmaßnahmen könnten aber zu Beeinträchtigungen führen.

“Das ist ein Informationsdesaster”, kritisierte auch der IT-Experte Arne Schönbohm, Präsident des Cyber-Sicherheitsrates Deutschland e.V. Er fordert einen grundsätzlich anderen Umgang des Parlaments mit der Cybersicherheit. “Erforderlich ist etwa eine Schulung der Mitarbeiter”, sagte Schönbohm AFP. Außerdem müssten sensible Daten gesondert gespeichert und verschlüsselt werden. Das seien Standards, die von kritischen Infrastrukturen gefordert werden und eigentlich auch im Bundestag angewendet werden müssten.

AFP – Jan Dörner

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