Die Frage, wie Deutschland seine digitale Souveränität stärken kann, steht zunehmend im Mittelpunkt politischer und technologischer Debatten. Auslöser aktueller Diskussionen ist unter anderem die Entscheidung der niedersächsischen Landesregierung, rund 30 Millionen Euro in ein KI-gestütztes Cyberabwehrsystem eines US-Anbieters zu investieren. Während die Landesregierung argumentiert, dass zum Zeitpunkt der Beschaffung keine vergleichbare europäische Lösung verfügbar gewesen sei, widersprechen Branchenvertreter und Sicherheitsexperten dieser Einschätzung.
Im Interview mit dem Deutschen Kommunal-Informationsdienst (DEKOM) betont der Präsident des Cyber-Sicherheitsrat Deutschland e.V., Hans-Wilhelm Dünn, dass Deutschland bereits heute über leistungsfähige Cybersecurity-Technologien verfügt – diese jedoch häufig zu wenig wahrgenommen werden.
„Wir haben in Deutschland exzellente Anbieter im Bereich Cybersecurity und Datenanalyse. Das Problem ist nicht fehlende Technologie, sondern eine massive Wahrnehmungs- und Implementierungslücke“, so Dünn.
Digitale Souveränität bedeute dabei keineswegs Abschottung. Vielmehr gehe es um die Fähigkeit, selbstbestimmt über den Einsatz digitaler Technologien entscheiden zu können und langfristige Abhängigkeiten zu vermeiden.
„Souveränität heißt: Ich verstehe, was in meinen Netzen passiert, und ich habe den Schlüssel zu meinen Daten in der eigenen Tasche“, erklärt Dünn.
Gerade für staatliche Institutionen und Kommunen sei es entscheidend, technologische Entscheidungen auch unter strategischen Gesichtspunkten zu betrachten. Einseitige Abhängigkeiten von einzelnen Technologieökosystemen könnten langfristig wirtschaftliche, sicherheitspolitische und geopolitische Risiken erzeugen.
Diese Fragen stehen auch im Zentrum der Diskussion um den sogenannten Deutschland-Stack – einen Ansatz, der darauf abzielt, digitale Infrastrukturen stärker auf interoperable, souveräne und europäische Technologien auszurichten.
Der Cyber-Sicherheitsrat Deutschland e.V. griff diese Debatte im Rahmen seines Souveränitäts-Hubs am 5. März 2026 in Berlin auf. Dort diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Technologie und Verwaltung über die Rolle des Deutschland-Stacks für digitale Souveränität, technologische Interoperabilität und eine zukunftsfähige digitale Infrastruktur.
Das vollständige Interview mit Hans-Wilhelm Dünn beim Deutschen Kommunal-Informationsdienst (DEKOM) finden Sie hier: https://infosilo.info/dekom/8876-2/.

