Am 5. März 2026 fand in Berlin der zweite Souveränitäts Hub des Cyber-Sicherheitsrat Deutschland e.V. statt. Unter dem Titel „Der Deutschland-Stack – substanzielle Zukunftsstrategie oder nur ein neues Buzzword?“ kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Technologie und Verwaltung zusammen, um den aktuellen Stand, die strategische Einordnung und die praktischen Voraussetzungen des Deutschland-Stacks zu diskutieren.
Nach der Begrüßung durch Hans-Wilhelm Dünn, Präsident des Cyber-Sicherheitsrat Deutschland e.V., führten die Hubleiter Stefan Gockel (Enginsight GmbH) und Bernd Ochsmann (AERAsec Network Services and Security GmbH) in die Zielsetzung der Veranstaltung ein.
Im Mittelpunkt des Hubs stand die Frage, welche Rolle der Deutschland-Stack künftig für digitale Souveränität, technologische Interoperabilität und die Modernisierung der öffentlichen Verwaltung spielen kann.
Impulse aus Technologie, Infrastruktur und europäischer Perspektive
Den ersten Impuls lieferte Peter Rost (secunet Security Networks AG), der den Deutschland-Stack als möglichen konvergierenden Zielrahmen für die Verwaltungsdigitalisierung in Bund, Ländern und Kommunen einordnete. Dabei wurde deutlich, dass der Deutschland-Stack nicht nur als technologische Sammlung einzelner Komponenten verstanden werden kann, sondern als Versuch, gemeinsame Standards und Grundlagen für eine interoperable Verwaltungs-IT zu schaffen. Gleichzeitig wurde auf strukturelle Herausforderungen hingewiesen, insbesondere auf die föderalen Zuständigkeiten und die Vielzahl unterschiedlicher IT-Lösungen in Bund, Ländern und Kommunen.
Christoph Streit (ScaleUp Technologies GmbH & Co. KG) beleuchtete anschließend die Bedeutung von Open Source, offenen Standards und Zusammenarbeit für eine souveräne digitale Infrastruktur. Er betonte, dass offene Technologien und standardisierte Schnittstellen zentrale Voraussetzungen seien, um Abhängigkeiten von proprietären Cloud-Ökosystemen zu reduzieren und langfristige technologische Wahlfreiheit zu ermöglichen. Gleichzeitig könne ein auf offenen Standards basierender Technologie-Stack die Interoperabilität zwischen verschiedenen Anbietern erhöhen und damit einen Wettbewerb auf Basis von Qualität und Leistung fördern.
Dr. Sybe Izaak Rispens (booost.eu GmbH) stellte den Deutschland-Stack in einen europäischen Kontext und verwies auf die Entwicklungen rund um die EuroStack-Initiative. Er zeigte auf, dass Europa bereits wichtige Grundlagen geschaffen habe, um digitale Souveränität stärker strategisch zu denken – etwa durch klar definierte Kriterien für technische, juristische, operative und wirtschaftliche Souveränität. Aus seiner Sicht könne der Deutschland-Stack von diesen europäischen Vorarbeiten profitieren, insbesondere in Bezug auf Governance-Strukturen, Beschaffungsstrategien und eine stärkere Umsetzungsorientierung.
Den abschließenden Impuls lieferte Mark Neufurth (IONOS SE), der den Deutschland-Stack als möglichen strukturellen Rahmen für eine moderne und schlanke digitale Verwaltung beschrieb. Aus seiner Perspektive sollte der Deutschland-Stack vor allem auf klar definierte Standards, Schnittstellen und Protokolle setzen, die unabhängig von einzelnen Technologien funktionieren. Ein solcher Ansatz könne dazu beitragen, technologische Komplexität zu reduzieren und gleichzeitig Innovation zu ermöglichen. Entscheidend sei dabei, dass der Deutschland-Stack nicht zu einer bürokratischen Struktur werde, sondern als offenes, entwicklungsfähiges und nutzerorientiertes System verstanden werde.
Interaktiver Workshop: Perspektiven aus Praxis und Wirtschaft
Im anschließenden Workshop diskutierten die Teilnehmer in mehreren Gruppen zentrale Fragen zur praktischen Umsetzung des Deutschland-Stacks. Ziel war es, Herausforderungen, Erwartungen und mögliche Lösungsansätze aus unterschiedlichen Perspektiven zusammenzuführen.
Dabei kristallisierten sich mehrere zentrale Punkte heraus:
- Voraussetzungen für eine föderale Etablierung
Viele Teilnehmer betonten, dass dem Deutschland-Stack derzeit vor allem Verbindlichkeit und klare Governance-Strukturen fehlen. Für eine breite Umsetzung seien verbindliche Rahmenbedingungen, klare Zuständigkeiten und eine bessere Abstimmung zwischen Bund, Ländern und Kommunen erforderlich.
Darüber hinaus wurde darauf hingewiesen, dass der Deutschland-Stack erst dann Akzeptanz gewinnen könne, wenn er auch praktisch erlebbare Lösungen und funktionierende Anwendungen hervorbringe.
- Wettbewerb mit internationalen Cloud-Anbietern
Ein weiterer Diskussionspunkt war die Frage, wie europäische oder deutsche Anbieter gegenüber globalen Hyperscalern konkurrenzfähig bleiben können. Als entscheidende Faktoren wurden insbesondere Normierung, Transparenz und Interoperabilität genannt. Offene Schnittstellen und standardisierte Architekturen könnten es ermöglichen, Anwendungen leichter zwischen verschiedenen Anbietern zu migrieren und so technologische Lock-in-Effekte zu vermeiden.
- Zusammenspiel von Deutschland-Stack und EuroStack
Eine weitere Gruppe diskutierte die Beziehung zwischen dem Deutschland-Stack und der europäischen Initiative EuroStack. Dabei wurde der Deutschland-Stack eher als technisch orientierter, bottom-up entwickelter Ansatz beschrieben, während der EuroStack stärker auf Governance- und Regulierungsebene ansetzen.
Beide Ansätze könnten sich perspektivisch ergänzen, insbesondere über gemeinsame Standards, Schnittstellen und regulatorische Rahmenbedingungen.
- Vermeidung zusätzlicher Bürokratie
Ein weiterer Diskussionspunkt war die Frage, wie verhindert werden kann, dass der Deutschland-Stack selbst zu einer zusätzlichen bürokratischen Struktur wird. Als möglicher Ansatz wurde hervorgehoben, dass sich der Deutschland-Stack konsequent auf klare technische Standards und Protokolle (z. B. nach RFC-Prinzipien) konzentrieren sollte.
Gleichzeitig wurde betont, dass Anwendungen auf dieser Grundlage stärker nutzerorientiert gedacht werden müssen – nicht nur aus Sicht der Verwaltung, sondern auch für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen. Als Beispiel wurde die Idee einer zentralen Zugangsebene, etwa in Form einer digitalen Instanz oder einer mobilen Anwendung, genannt, über die verschiedene Verwaltungsleistungen einfach erreichbar wären.
Fazit
Die Diskussionen des Souveränitäts Hubs haben deutlich gemacht, dass der Deutschland-Stack für viele Akteure ein interessanter Ansatz zur Stärkung digitaler Souveränität sein kann.
Gleichzeitig wurde klar, dass neben technologischen Fragen insbesondere Governance, Verbindlichkeit, Interoperabilität und praktische Umsetzung entscheidend dafür sein werden, ob sich der Deutschland-Stack langfristig als tragfähige Grundlage für die digitale Infrastruktur Deutschlands etablieren kann.
Der Hub bot damit eine wertvolle Plattform für einen offenen Austausch zwischen Technologieanbietern, Infrastrukturbetreibern und Experten aus unterschiedlichen Bereichen der digitalen Transformation.

